Die Gründerin
Unmittelbar vor Ausbruch des 2.Weltkrieges geboren, stellte sich Carla Wiedeking schon als Kind die Frage nach dem Sinn des Lebens. Im zerstörten Deutschland versorgte sie bereits als Grundschulkind Babies und Kleinkinder ihrer Straße, und brachte sie oft - zum Erstaunen ihrer Mutter - mit nach Hause.
Aufgewachsenen in einer aufblühenden Großunternehmerfamilie, zog es Carla Wiedeking jedoch mehr zur Großmutter mütterlicherseits, die eine tiefe Religiösität ausübte. Die praktische Begabung des Vaters geerbt, verbunden mit christlicher Innerlichkeit, sah sie sich vor die Entscheidung gestellt, Wege des geistlichen Lebens einzuschlagen. Sie entschied sich für einen einfachen, unauffälligen Weg der christlichen Nächstenliebe in der Welt: "Ich möchte nur eine Tochter der Kirche sein und in der Welt die Nachfolge Christi leben", war ihre frühere kurze Antwort. Selbst Mutter Teresa war an der Aufnahme von Carla Wiedeking in ihren Orden sehr interessiert, und machte sie schließlich - wenigstens - zu ihrer Repräsentantin für Deutschland.
Carla Wiedeking ging ihren eigenen Weg, nie legte sie irgendwelchen Wert auf öffentliche Auftritte oder Publicity. Im Gegenteil: je unauffälliger und verborgener sie arbeiten konnte, um so lieber war es ihr. Ihre ganz eigene "Berufung" fand sie als 20-jährige in Indien. Sie stand am Fenster und sah in den Hof eines großen Waisenhauses, wo ca. 150 Mädchen in einer Schlange standen und jede von ihnen ihrer Vorgängerin die Haare zu einem Zopf flochten. Verglichen mit der feinfühligen Fürsorge ihrer eigenen Mutter sagte sie: "Auf der einen Seite war ich fasziniert von dem hohen praktischen Talent dieser Oberin und stellte mir vor, wie es wäre, müßte die Schwester allen Mädchen selbst die Zöpfe flechten; auf der anderen Seite traf mich der "Mechanismus einer Heimerziehung" sehr, und ich entschied mich, wenigstens einigen Kindern Mutter zu sein. Ihr Vater, entsetzt über den Plan seiner "eigenwilligen" Tochter, drohte ihr, sie zu enterben und verlangte zunächst eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Carla Wiedeking meldete sich vom Medizinstudium ab, wählte das damals kürzeste Studium, nämlich das der Grund- und Hauptschullehrerin. Einen Monat nach ihrem Lehrerexamen im Jahr 1963 flog sie wieder nach Indien um damals "auf eigene Faust" die ersten vier Kinder zu adoptieren. Bis 1967 wurden es 10 Adoptivkinder.Ein kleiner Skandal in Deutschland! Bis dahin waren nämlich Adoptionen ausländischer Kinder fast undenkbar. Bis 1982 adoptierte Carla Wiedeking noch 7 weitere Kinder hinzu - alle stehen inzwischen auf eigenen Füßen. 8 sind verheiratet, 17 Enkel kommen hinzu.
Mit Indien hielt Carla Wiedeking weiterhin engen Kontakt. 51 Mal besuchte sie - meistens mit 2 oder 3 ihrer Adoptivkinder - dieses Land. Mit großem Engagement setzte sie sich für die Ernährung und Ausbildung von Kindern armer Familien ein. Viele Verwandte und Freunde halfen ihr. Spenden wurden gebraucht. So gründete man 1977 einen gemeinnützigen Verein: "pro infante, action: kind in not e.v.". Aber auch immer mehr Eltern wandten sich an Carla Wiedeking, mit der Bitte, ihnen bei der Adoption eines ausländischen Kindes zu helfen.
So beantragte Carla Wiedeking beim Landesjugendamt in Köln 1978 die Anerkennung als Adoptionsvermittlungstelle, und erhielt diese 1980. Bis heute vermittelte pro infante mehr als 2.000 Kinder. Seit 1999 arbeitet pro infante auch mit den Schwestern von Mutter Teresa in Kenia zusammen. Ein aufblühendes Patenschaftsprogramm, der Ausbau einer Schule für Slumkinder in Nairobi und 63 Adoptionsvermittlungen können bereits aus Nairobi verzeichnet werden.
Für ihr segensreiches Wirken wurde Carla Wiedeking im Jahre 1997 vom Bundespräsidenten Roman Herzog mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Nach schwerer Krankheit verstarb am 15.August 2004 die Gründerin und Leiterin des Vereins "pro infante action: kind in not e.v.", Frau Carla Wiedeking.
|